Die vergessenen Räume in deiner Ferienwohnung

Räume, die in ihrer Prioritätenliste ganz hinten stehen. Dabei steckt hier eine Menge Potiential für den Wowo- Effekt.

 

Du hast Stunden in dein Wohnzimmer investiert. Das Schlafzimmer ist durchgestylt. Die Küche sieht toll aus.

Und dann betritt dein Gast die Wohnung – und das Erste, was er sieht, ist ein weißer Flur und drei Haken.

Willkommen bei den vergessenen Räumen.

Die Wahrheit: Dein Gast sieht ALLES

Wir Gastgeber:innen denken in Haupträumen. Wohnzimmer: Check. Schlafzimmer: Check. Küche: Check. Ist ja klar. Das sind wirklich wichtige Räume- vor allem, wenn man mit dem Budget haushalten muss. Aber dein Gast denkt nicht in Räumen – dein Gast fühlt ein Gesamtbild. Und dieses Bild hat Lücken, wenn der Flur nach „Durchgangszone” riecht und das Gäste-WC nach „hier kümmern wir uns später drum”.

Die vergessenen Räume sind die, die selten auf Pinterest zu sehen sind. Die, für die oft erst gar kein Mood-Board erstellt wird (hier geht’s zum Kurs Moodboard selbst erstellen!). Und genau deshalb sind sie deine größte Chance, dich abzuheben.

 

1. Der Flur – Drei Sekunden für den ersten Eindruck

Die ersten drei Sekunden entscheiden. Dein Gast öffnet die Tür, schleppt den Koffer rein und – was sieht er? Was riecht er? Was fühlt er?

Wenn die Antwort ist: „Weiße Wände, Laminat, Garderobenhaken” – dann hast du gerade den wichtigsten Moment verschenkt.

Was du tun kannst:

  • Farbe oder Tapete. Eine Wand in einem warmen Ton – Hay von Farrow & Ball, ein weiches Salbeigrün, ein mutiges Nachtblau. Dein Gast weiß sofort: Hier hat sich jemand Gedanken gemacht. Gemusterte Tapeten sorgen dafür, dass alle weiteren Dekorationen oder Details überflüssig werden. Treffer versenkt.
  • Die obere Hälfte streichen. Wand zweigeteilt – oben mutige Farbe, unten Neutralton oder Paneele, getrennt durch einen schmalen Farbstreifen oder eine Leiste. Das ist elegant und funktional (untere Hälfte bleibt pflegeleicht).
  • Eine Sitzbank. Klingt banal? Ist es nicht. Dein Gast kommt an, muss sich die Schuhe ausziehen – und hat einen Platz dafür. Wenn der Platz nicht reicht? Für einen kleinen Hocker ist oft doch noch Platz. Das ist deine Gastfreundschaft im Detail.
  • Bitte keine nackte Deckenleuchte. Eine warme Wandleuchte oder eine schöne Pendelleuchte verändert den Raum sofort.

 

Der Flur ist kein Durchgangsraum. Er ist die Ouvertüre.

 

2. Das Gäste-WC – Der kleinste Raum mit dem größten Wow

Die meisten Gäste-WCs in Ferienwohnungen sind weiß, funktional und so aufregend wie ein Wartezimmer beim Zahnarzt. Und genau deshalb ist das Gäste-WC der Raum, in dem du mit dem geringsten Aufwand den größten Effekt erzielst- schon alleine deshalb, weil nur wenig Farbe, wenig Tapete oder wenige farbige Fliesen ausreichen und die Investition sich in Grenzen hält.

Was du tun kannst:

  • Mutig. Ein kleiner Raum verträgt dunkle, satte Töne – Hague Blue, tiefes Grün, sogar Schwarz. Klingt gewagt? In einem kleinen Raum wirkt es wie ein Kokon. Elegant, überraschend, Instagram-würdig.
  • Eine Tapete. Gerade im Gäste-WC funktionieren Tapeten fantastisch – weil der Raum klein ist, brauchst du wenig Material, und die Wirkung ist enorm. Botanisch, grafisch, mutig – hier darfst du dich austoben.
  • Messing-Details. Seifenspender, Handtuchhalter, ein kleiner Spiegel mit Messingrahmen. Diese Details kosten wenig und machen aus „WC” plötzlich „Powder Room”.
  • Handtücher als Deko. Dunkle Handtücher (Anthrazit, Navy, Waldgrün) statt Weiß. Aufgerollt in einem Korb oder auf einem kleinen Holzregal. Fertig ist der Boutique-Look.

 

Dein Gast geht aufs WC und denkt: „Wow.” Das ist der Moment, in dem er ein Foto macht.

 

3. Der Vorratsraum – Ordnung als Statement

Ja, der Vorratsraum. Glücklich wer ihn hat und noch glücklicher, wenn du so einen kleinen Schatz für deinen Gast bieten kannst. Aber in der Gestaltung: der Raum, an den wirklich niemand denkt. Aber: Wenn dein Gast die Küche nutzt (und das tun die meisten), dann öffnet er irgendwann diese Tür.

Was er nicht sehen will: Chaos, alte Konserven, drei verschiedene Putzmittel neben dem Olivenöl.

Was du tun kannst:

  • Einheitliche Behälter. Mehl, Zucker, Salz, Kaffee, Tee – in schönen Vorratsgläsern mit Etiketten. Das kostet fast nichts und sieht sofort nach „hier kümmert sich jemand” aus.
  • Handgeschriebene Labels oder hübsche gedruckte Etiketten. Dein Gast soll nicht raten müssen, was in welcher Dose ist. Wenn zu Beginn schon etwas Kaffee oder Gewürze da sind- sooo schön.
  • Putzmittel getrennt von Lebensmitteln. Klingt logisch, ist es aber oft nicht.
  • Ein kleines Extra. Eine Flasche gutes Olivenöl, Meersalz, eine lokale Marmelade. Dein Gast merkt: Das ist nicht nur ein Stauraum – das ist Teil des Erlebnisses.

 

4. Das Kinderzimmer – Familien buchen anders

Familien mit Kindern sind eine der treuesten Zielgruppen. Wenn sie eine FeWo finden, die wirklich an ihre Kinder gedacht hat – kommen sie wieder. Und erzählen es weiter.

Was du tun kannst:

  • Nicht „ein Zimmer mit Kinderbett”. Sondern: Ein Raum, in dem sich ein Kind zu Hause fühlt. Farbe an den Wänden, eine kuschelige Ecke, ein kleines Regal mit Büchern und Spielen. Und bitte: keine Etagenbetten aus wackligen Metallgestellen. Oder verkaufst du Abstellräume für Kinder? Auch wenn der Raum klein ist. Es gibt IMMER eine Lösung. Das sage ich dir aus 25 Jahren Erfahrung.
  • Alter bedenken. Baby? Dann Verdunkelungsvorhänge und Steckdosensicherungen. Schulkind? Dann ein kleiner Schreibtisch und Leselampe. Das zeigt: Du hast mitgedacht.
  • Robuste Materialien. Abwaschbare Farbe, strapazierfähige Textilien. Eltern entspannen sich, wenn sie wissen, dass nicht jeder Fleck eine Katastrophe ist.
  • Die Details, die zählen. Ein Nachtlicht. Ein Tritthocker fürs Waschbecken. Malstifte und Papier. Das kostet fast nichts und macht den Unterschied zwischen „ganz okay” und „die denken an alles”.

 

5. Das Büro-Gästezimmer – Workation ist kein Trend mehr

Immer mehr Menschen arbeiten von überall. Und „von überall” heißt auch: aus deiner Ferienwohnung. Wenn du einen Raum hast, der tagsüber Büro und nachts Gästezimmer sein kann – hast du einen echten Wettbewerbsvorteil.

Was du tun kannst:

  • Ein richtiger Schreibtisch. Nicht der Esstisch, nicht das Bügelbrett. Ein Platz, an dem man ernsthaft arbeiten kann. Mit Steckdose in Reichweite und gutem Licht.
  • Ein vernünftiger Stuhl. Ja, das kostet etwas mehr als ein IKEA-Klappstuhl. Aber dein Gast, der drei Tage dort arbeitet, wird es dir danken – und in der Bewertung erwähnen.
  • Schlafsofa mit Qualität. (Wenn kein separates Bett möglich ist) Bitte keine Folterbank. Es gibt inzwischen Schlafsofas, auf denen man wirklich schlafen kann. Investier hier lieber etwas mehr.
  • Tagsüber Büro-Feeling, abends Gästezimmer-Feeling. Ein Raumteiler, ein Vorhang, oder einfach: Schreibtisch ans Fenster, Schlafsofa an die Wand. Klare Bereiche.

Die goldene Regel: Jeder Raum erzählt

Es gibt keine unwichtigen Räume. Es gibt nur Räume, denen noch niemand Aufmerksamkeit geschenkt hat. Und genau da liegt deine Chance.

Dein Gast erinnert sich nicht an das dritte Kissen auf dem Sofa. Aber an den Flur, der ihn begrüßt hat? An das WC, in dem er ein Foto gemacht hat? An den Vorratsraum, in dem lokale Marmelade stand?

Daran erinnert er sich.

Trau dich.

Fang mit einem vergessenen Raum an. Nur einem. Der Flur ist am einfachsten – eine Dose Farbe, eine Sitzbank, besseres Licht. Ein Nachmittag. Und dein Gast betritt ab morgen eine andere Wohnung.

Die vergessenen Räume sind deine größte Chance. Weil sie sonst niemand auf dem Schirm hat.

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Hast du Fragen? Oder Anregungen?

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Herzlichst,

Sophie

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